Geisteswissenschaft im Dialog

GiD Aktuell

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Dr. Jens Boysen

Dr. Jens Boysen wurde 2006 an der Universität Tübingen in Neuerer Geschichte promoviert. Seit 2010 ist Jens Boysen wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in Warschau. Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a. die deutsch-polnischen Beziehungen und die politische Ideengeschichte.

 

Position zum Thema

1.       Grundsätzlich müssen heutzutage Wissenschaftler(innen), die auch international Gehör finden wollen, das Englische in Wort und Schrift beherrschen. Dies gilt zwar in besonderem Maße für die Natur-, Wirtschafts- und Technikwissenschaften, aber immer mehr auch für die Geisteswissenschaften.

2.       Jedoch sollten sie gleichzeitig bestrebt sein, die wissenschaftliche Diskussions- und Publikationsarbeit in ihrer Muttersprache zu pflegen, da neben der globalen auch die nationale Wissenschaftsebene zu erhalten ist. Das gilt besonders für Sprachen, die wie das Deutsche früher selbst transnationale Bedeutung besaßen und es in bestimmten Sparten heute noch tun.

3.       Zugleich stellt die muttersprachliche Kommunikation auf hohem Niveau eine unabdingbare Voraussetzung für das Erreichen eines wenigstens ausreichend hohen Niveaus im Englischen dar.

4.       In dem Maße, in dem das Englische zur globalen lingua franca wird, können im Gegenzug die Bedürfnisse der englischen Muttersprachler nicht mehr der ausschließliche Maßstab für den wissenschaftlichen Diskurs sein. Eine gewisse Hybridisierung des Englischen als moderner koiné erscheint auf internationaler Ebene durchaus logisch und ist faktisch bereits im Gange.

5.       Im Inland sollte dagegen die – meist ökonomisch motivierte – Anglisierung von Forschung und Lehre dort ihre Grenze finden, wo sie den muttersprachlichen Diskurs zu beeinträchtigen droht. Die in einem bestimmten Land dauerhaft ansässigen/tätigen Wissenschaftler(innen) müssen die nationale Sprache ausreichend beherrschen bzw. erlernen.

6.       In Polen besteht – wie in anderen sogenannten Transformationsländern – eine hohe Bereitschaft zur Etablierung des Englischen als Element der Modernisierung und Internationalisierung. Im gegenwärtigen Stadium (das den 1950er und 1960er Jahren im Westen entspricht) ist dies auch zweifellos sinnvoll. Das gilt auch für die polnische Beteiligung an europäischen Wissenschaftsprogrammen wie Horizont 2020. Überdies wirkt hier die bekannte starke Faszination der Polen durch die USA.

7.       Zugleich ist in Polen der Stolz auf das eigene kulturelle Erbe so ausgeprägt, dass eine Beeinträchtigung des Polnischen wenig wahrscheinlich ist. Allerdings ist es z.B. schon heute so, dass Fördermittelanträge auch bei den nationalen polnischen Förderinstitutionen (Stiftungen usw.) häufig in englischer Sprache gestellt werden müssen, was vor allem ältere Wissenschaftler(innen) manchmal vor Probleme stellt. Weiterhin wird der massive brain drain polnischer Hochschulabsolventen in Richtung Großbritannien, Niederlande usw. von der relativ guten englischen Sprachausbildung befördert.

Veranstalter

Max Weber Stiftung
Union der deutschen Akademien der Wissenschaften

 

 

Partner

DRadio Wissen - ein Programm von DeutschlandRadio

 

 

gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung